Urkunde von Fischeln vom 24. Juni 973

Aus der Urkunde geht hervor: Balderik, Bischof von Utrecht, übergibt durch die Hand seines Advokaten an seine Schwägerin Frau von Nevelong und deren Söhne Balderic und Rudulphe zum fortdauernden Niessbrauch 45 Höfe in den Orten: Rura, Liethorp, Linne, Suletheim, Flothorp, Ascolon, Malicalieol und Curnelo, die in der Nähe von Limburg, Maastricht und Roermond liegen. Außerdem übergibt er eine Stadt mit dem Namen Willere und eine Gemeinde Buochern; dazu die Hälfte einer Kirche mit 45 Gehöften und 190 Leibeigenen in Fischelo.

Karte von Fischeln aus dem Jahr 1594

Fischeln ist ein uralter Ort. Genaueres über die Frühzeit wissen wir nicht. Spuren von Menschen aus der mittleren Steinzeit (10000 - 3500 v. Chr.) hat man im Fischelner Raum entdeckt: man fand sieben Steinwerkzeuge, die vermutlich von durchwandernden Ureinwohnern zurückgelassen wurden. Auf dem Bild sehen Sie eine Karte mit der Gestalt der Gemeinde und Pfarre Fischelns im Jahre 1594 nach urkundlichen Angaben und Überlieferungen von J. Peter Lentzen.

Zukunft hat Herkunft -

Ein Steinbeil aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.

Schon vor fünftausend Jahren lebten Menschen in Fischeln. Ihre Werkzeuge erzählen uns ihre Geschichte und geben uns Rätsel auf; beflügeln unsere Fantasie.

Im Acker am Rande des Fischelner Niederbruchs, südlich der Straße Langen Donk fand eine Familie vom Langen Donk einen eigenartig geformten Stein. Er sieht ziemlich glatt geschliffen aus. Hatte hier vor Urzeiten der Rhein sein Bett? Aber warum ist nur ein Stein so besonders geformt?

Der Stein ist ein Maas-Flint. Flint ist ein harter Stein. Er wird auch Stahl der Steinzeit genannt. Und es ist ein Feuerstein. Derartige Steine sind aus dem Kalkgestein im Gebiet der Maas bekannt. Sie sind häufig gewölbt und daher werden sie auch Maasei-Flint genannt.

Aber unser Stein hat eine besondere Form, es ist kein Ei. Was hat es damit auf sich?

Mit dem Stein wurde dem Bürgerverein ein erläuternder Text zur Verfügung gestellt. Wer ihn verfasst hat, wissen wir nicht. Aber der Text sagt uns, dass es sich um ein Beil aus grauem Maasflint handelt. Nun ja, grau passt auch zu Kalkgestein. Aber der Stein ist eher dunkelbraun. Lesen wir also weiter.

Das Beil zeigt außen eine braune Moorpatina, die auf Lagerung in feuchtem, eisenhaltigen Boden hinweist (scheint im Niederbruch doch schlüssig, oder?). Die Schneide ist durch den Pflug modern beschädigt (aha, daher die kalkgrauen Stellen im Stein). Dies zeigt auch eine seitlich verlaufende Spur von Eisenabrieb. Fundort und Moorpatina lassen vermuten, dass das Beil mit einem alten Weg durch die feuchte Niederung von der Krefelder Platte zur Niederterasse in Verbindung steht. Weiter heißt es in dem Text, dass die meisten in ähnlicher Lage gefundenen Beile absichtlich niedergelegt worden zu sein scheinen (Wegeopfer?). Möglich sei im Einzelfall auch ein Verlust bei der Herrichtung von hölzernen Wegebelägen.

Und schon blüht unsere Phantasie auf. Waren da heidnische Gruppen auf dem Weg unterwegs und haben ihre Steinbeile geopfert, um auf dem Weg durch das feuchte, moorige Niederbruch vor Dämonen geschützt zu sein? Oder war es eine Gruppe, die mit Holz befestigte Wege durch das Moor bauten, so wie es sie z.B. im Hohen Venn in Belgien für die Wanderer noch heute gibt? Und bei den Arbeiten hat einer sein wertvolles Beil verloren?

Aber wann soll das gewesen sein? Waren es vielleicht Römer, die eine Straße von Gelduba (Gellep) nach Tongeren gebaut hatten und dabei den Weg im Niederbruch mit Holz befestigten? Dass es so eine Straße gab ist belegt.

Lesen wir weiter im Text zum Steinbeil. Dort heißt es zum Schluss, dass dieser vor allem in Westeuropa verbreitete Beiltyp wohl überwiegend ins 3. Jahrtausend vor Chr. datiert wird und sich in verschiedenen Kulturen findet. Am Niederrhein könnte er mit der Michelsberger Kultur in Verbindung stehen, so der Text. Und weiter: Normalerweise wurde der Feuerstein für diesen Beiltyp im Kalkgestein des Maasgebietes abgebaut – bekannt sind die Gruben von Rijkholt – und dann in Form von geschlagenen Rohlingen verhandelt. Das Schleifen besorgte wohl jeweils der spätere Abnehmer und Nutzer.

Soweit der Text zum Steinbeil aus dem Fischelner Bruch. Er sagt uns, dass schon ungefähr 3000 Jahre vor Christi Geburt, in der Steinzeit, Menschen in Fischeln unterwegs waren, ja vielleicht hier seßhaft waren. Die Erkenntnis haben wir, weil sich gelernte Archäologen und neugierige Mitmenschen mit unserer Geschichte befassen, forschen und aus Zusammenhängen ihre Erkenntnis gewinnen, festigen aber auch korrigieren müssen. Dazu gehören auch Zufallsfunde wie dieser eigenartige Stein, die uns Rätsel aufgeben, unsere Phantasie beflügeln. Und Archäologen helfen uns bei der Auflösung des Rätsels. Aber sie können auch dazu führen, bisher als gesicherte Erkenntnis Vermutetes in Frage zu stellen und Geschichte neu zu schreiben.

Es verändert nicht unmittelbar unser heutiges Leben. Aber es zeigt uns auf, wo wir herkommen und dass wir mit unserem heutigen Tun die Zukunft gestalten können, solange wir unsere Erkenntnisse an unsere Nachfahren weitergeben. So haben auch Archive ihre Berechtigung und bergen spannende Geheimnisse und Geschichten.

Sollten Sie mehr über das Beil wissen - wir sind neugierig, schreiben Sie uns. Haben Sie Dokumente, so teilen Sie uns dies gerne mit. Wir sind auch dankbar für Fotos und Erläuterungen. Sie helfen uns mit Ihren Angaben, auch unsere jüngere Geschichte fortzuschreiben und zu bewahren.

Wie heißt es so schön - für sachdienliche Hinweise wenden Sie sich an Ihren Bürgerverein Krefeld.

Literaturhinweise:

1. Die Heimat spricht zu Dir, Monatsbeilage des Remscheider General-Anzeigers, Nr. 1/49
2. Was ist Flint oder Feuerstein? aus http/www.museum-albersdorf.de/flintfossil/wasflint.html
3. Mesolithische Fundstelle? Maaseier, sie https.//www.sucherforum.de/smf/index.php?topic=21521.15;wap2
4. Erläuternder Test zum Steinbeil aus Fischeln im Archiv des Bürgerverein-Krefeld Fischeln e.V.,
Autor und Quelle nicht bekannt
5. Christoph Reichmann, Archäologie in Krefeld, ISBN 978-3-89972-302-1, Seite 32ff.

Ein eisenzeitliches Grab gefunden

1929 wurde ein eisenzeitliches Grab (1000 - 650 v. Chr.) gefunden. Auf dem Molenhof (heute Gaststätte Gietz) stieß man im Jahr 1859 auf ein römisches Grab. 1887 legte man bei Bauarbeiten im Kellergewölbe des Pfarrhauses Gußmauerwerk frei, das mit römischen Ziegeln untermischt war, ja, man fand im Mauerwerk hellrote römische Backsteine. Vielleicht stand hier schon vor dem Pfarrhaus, das übrigens 1728 abbrannte, ein römisches Gebäude.

Möglicherweise stammt Fischeln aus der Zeit, als nach den Römern (ab 400 n. Chr.) die Franken hier zuhause waren? Im Süden der Gemeinde, dicht an der Grenze Willichs, hat es in grauer Vorzeit vermutlich einen fränkischen Herrenhof gegeben. Um 1700 wird diese Stelle das "Rothe Haus" genannt. Von dem Herrenhof ist nichts übrig geblieben. J. P. Lentzen schrieb 1860: "Die jetzt teilweise geschleiften Gräben zeigen noch deutlich die Stelle, wo der Hof gestanden hat". Heute ist dort Ackerland, das Flurstück heißt, 'Am Junkers': Nur ein rätselhaftes Rechteck (50 x 120m) im Flurstück erinnert an diesen Herrenhof. In einer Luftaufnahme von Fischeln aus dem Jahre 1971 ist das Rechteck ebenfalls zu erkennen.

Es hat seit urdenklichen Zeiten Menschen im Raum Fischeln gegeben. Ein Dorf Fischeln existierte wohl kaum vor Ende der Völkerwanderungszeit. Sicherlich entstanden vereinzelte Hofsiedlungen. Dörfer entwickelten sich erst, als die Grundherren einsam zwischen den Höfen Kirchen erbauten, wo sich dann Pfarrer, Küster, Wirt und Handwerker ansiedelten. Ähnlich wird es in Fischeln gewesen sein. Sicher hat es Fischeln schon vor 1000 n. Chr. gegeben. Eine Pfarrkirche (St. Clemens) wird schon im Jahre 943 zum ersten Mal erwähnt. Der Mönch Willibrord soll die Clemenskirche eingeweiht haben. Er starb bereits im Jahre 739 n. Chr. Wir wissen darüber hinaus, daß im Fußboden der Clemenskirche das Kieselschüttfundament eines uralten Kirchleins verborgen ist, welches von Experten in die Zeit vor 1000 datiert wird. Vieles, eigentlich alles aus der Frühzeit Fischelns ist uns leider verborgen geblieben. Vielleicht hilft das rätselhafte Rechteck im Flurstück "Am Junkers" später einmal, das Rätsel zu lösen.
Von 1392 bis 1794 gehörte Fischeln zum kurkölnischen Amt Linn. Bis Mitte des Jahres 1929 war Fischeln eine selbständige Gemeinde. Als der Bau einer Kanalisation anstand, wurde es nach Krefeld eingemeindet. Die Gemeindekasse war zu diesem Zeitpunkt jedoch keineswegs leer. Vielmehr erhielt Krefeld bei der Eingemeindung 350.000 Mark. Das „Krefelder“ Stahlwerk lag schließlich auf Fischelner Gebiet, so dass es seine Steuern nach Fischeln zahlte. In den 1960er und 1970er Jahren wuchs die Einwohnerzahl des Stadtbezirks Fischeln durch die Erschließung neuer Wohngebiete stark an.

Das Wappen von Fischeln steht für den Ortsnamen. Fischeln soll in früheren Zeiten an einem Rheinarm gelegen haben, der sehr fischreich war. Daraus soll dann später der Name Fischeln entstanden sein. Der Anker mit dem Schiffstau verweist darauf sowie auf den Märtyrertod des hl. Clemens, Schutzpatron der Gemeinde. Der grüne Schild symbolisiert die Natur und die Landwirtschaft. Das Wappen ist abgeleitet von einem Amtssiegel um 1850. (s.a. Stadtoberinspektor und Bürgermeister von Fischeln Franz Heckmanns, Die Heimat, Jg. 1926, Heft 2.)

Weitere historische Fotografien und bildliche Gegenüberstellungen Einst und Heute finden Sie im vergriffenen Buch "Fischelner Bilder - Einst und jetzt, Ausgabe 1994, Herausgeber Bürgerverein Krefeld-Fischeln e.V. Viele Dokumente finden Sie zur Geschichte des Ortes im Heimatarchiv des Bürgervereins im Fischelner Rathaus.

Karte von 1815

Quellen

  • Johann Peter Lenzen, Gemeinde und Pfarre Fischeln im Kreise Crefeld, unveränderter Nachdruck der Auflage von 1860/1862, verlegt von Stefan Kronsbein, Krefeld 2002, ISBN 3-935526-03-2 (mit beiliegender Karte)

  • Die Heimat, Mitteilungen der Vereine für Heimatkunde in Krefeld und Uerdingen, Jahrgang 5 (1926), Seite 152 ff,  Franz Heckmanns, Die Siegel der Gemeinde Fischeln.

  • Die Heimat, Zeitschrift für niederrheinische Heimatpflege, Jahrgang 27 (1956), Seite 147 ff,  Franz Heckmanns, Von Schatz und Zehnt im alten Fischeln

  • Die Heimat, Mitteilungen des Vereine für Heimatkunde in Krefeld, Jahrgang 1 (1921), Seite 34 ff,  Franz Heckmanns, Kunstbetrachtungen in der Fischelner Pfarrkirche.

  • Christoph Reichmann, Archäologie in Krefeld – Neuere Forschungsergebnisse der Krefelder Stadtarchäologie, Edition ARCHEA, 1. Aufl. 2014, ISBN 978-3-89972-302-1.

  • Historischer Rundgang – Fischeln auf den Spuren der Vergangenheit, Herausgeber: Freunde und Förderer für Heimatpflege und Schützenbrauchtum in der Bürger-Schützen-Gesellschaft 1451 Fischeln e.V., Krefeld-Fischeln im Oktober 2014“.

  • Fischelner Straßen, Straßennamen erzählen Heimatgeschichte, Ludwig Blum, Herausgeber Bürgerverein Fischeln-Königshof, 1. Aufl. 1982

  • Holzschneider, Theodor (Geschichte Osteraths, Steeger (Stratheiml, Rotthoff, Heimat 1979, S.124 F. Stollwerk, Heimat 1931, S. 237, Anmerkung

  • Einleitung: Steeger, Heimat 1931, S. 238